Der Tod und unser Geist
Auszug aus dem Buch "Der Taoist vom Huashan" Seite 107.
"Was du bist, was ich bin, was die Tiere sind, das ist etwas Ungreifbares, Unzerstörbares, Formloses - eine Ansammlung uralter Erinnerungen, vermischt mit den Spuren des früheren Kosmos. Wir sind Geist, und jeder Geist existiert seit Anbeginn und wird sich immer wieder durch den Weltraum bewegen, sich verändern und weiterentwickeln bis in alle Ewigkeit.
Die Lebewesen, die dir heute als Tiere begegnen, waren nicht immer Tiere und werden auch nicht immer Tiere bleiben. Sie haben nur in ihrem jetzigen Leben die äußere Form angenommen. Sie sind Geistwesen, die auf dieser Welt gekommen sind, um Dinge zu lernen, die für sie als Individuen wichtig sind, und um eine göttliche Bestimmung zu erfüllen. Wenn sie auf die Erde kommen, brauchen sie einen Schutzschild, eine Schale, einen Körper. Der Körper ist nicht das wahre Individuum. Er ist nur ein Gefäß. Wenn es an der Zeit ist, in eine andere Realität überzugehen, werfen sie den Körper, der nur ein Gefäß für sie war, ab, und ihr Geist wandert weiter.
Du kannst nicht zwei verschiedene Kleider übereinander tragen. Du kannst nicht in einem Gebäude sein und gleichzeitig ein anderes betreten. Du musst die Schale, die dein Körper ist, erst einmal aufbrauchen. Zum Schluss wird sie abgenutzt, zerbrochen und zerstört sein. Aber der Geist wird niemals zerstört; deshalb braucht man sich nicht zu ängstigen.
Die Menschen haben auch deshalb Angst vor dem Tod, weil sie nie vorher wissen, wann er kommt. Das ist einer der Flüche, mit denen die Götter uns Menschen geschlagen haben. Als Strafe für seine Bosheit und Verderbtheit lassen die Götter den Menschen nicht wissen, wann der Tod naht.
Die Tiere dagegen wissen es. Sie wissen, wann der Tod kommt, weil sie ständig Zwiesprache mit den Göttern halten. Aber mit dem Menschen sprechen die Götter nicht mehr. In unserem Leiden und unserer Unwissenheit, unserer Eitelkeit und Anmaßung sind wir die einzigen Lebewesen auf der Erde, die keine Verbindung mehr zu den höheren Ebenen haben. Nur durch ein reines Leben können wir uns von diesem Fluch befreien."
Daoistische Zufluchten, Gebote und Regeln
Aus der Schule der Völligen Vervollkommnung ( mit buddhistischen Einflüssen, 1300 n. )
Die Drei Zufluchten:
1. Nehme Zuflucht zum DAO.
2. Nehme Zuflucht zum daoistischen Kanon (Lehrwerk)
3. Nehme Zuflucht zu Tai Shang Lao Jun (Laozi)
Die Fünf Gebote:
1. Nicht Töten.
2. Nicht stehlen.
3. Keinen verwerflichen Sex.
4. Sich nicht berauschen (Alkohol, Drogen, etc.)
5. Keine üble Rede (Lügen, Prahlen, etc.)
Die Neun Regeln:
1. Praktiziere wuwei.
2. Übe Dich in der Natur der Sanftheit (yin).
3. Praktiziere mit Entschlossenheit.
4. Bewahre einen friedvollen/klaren Geist.
5. Kultiviere Güte.
6. Strebe nicht nach Ruhm.
7. Lege Begierden ab.
8. Sei zufrieden.
9. Entwickle ein Herz des Gebens und Teilens.
50 Hindernisse auf dem Weg zum Dao
aus dem "Buch zum Durchdringen von Barrieren" von Liu Yiming (1737 - 1821 ) 1800n.
01. Das Erkenntnisvermögen auf die Ränder und nicht auf das Wesen zu richten
02. Streitgespräche
03. Mangelnde Ausdauer
04. Unglauben
05. Sich von den Trugbilder in die Irre führen lassen
06. Stubengelehrsamkeit
07. Mangel an klaren Ansichten
08. Leben und Tod als äusserst wichtig nehmen
09. Starke Wünsche haben
10. Sich um seine Körperlichkeit drehen
11. Von der Sinneslust besetzt zu sein
12. Den Täuschungen erliegen
13. Auf Ursache und Wirkung fokusiert sein
14. Auf die Praxis der Visualisierungen der Körperdämonen konzentriert sein
15. Anhaftung an die Erscheinungen
16. Selbstgefälligkeit
17. Reichtum und Ehrgeiz
18. Die konzentrierte Essenz des Weiblichen sammeln wollen
19. Kälte und Hitze
20. Äußerst asketisch sein zu wollen
21. Geschicklichkeit
22. (geistige) Prunksucht
23. Das Herdfeuer
24. Angst vor Mühsal
25. Massloses Trinken (Masslosigkeit allgemein)
26. Unehrbietigkeit
27. Ruhm und Rang
28. Nachlassen des Strebens
29. Angst vor Schwierigkeiten
30. Angst vor dem sich Blamieren
31. Die allumfassende Liebe anzustreben
32. Stolz
33. Schnelle Ergebnisse haben wollen
34. Verdächtigen
35. Achtlosigkeit
36. Schwere Schuld mit sich tragen
37. Glauben, die Zeit zu verschwenden
38. Anhaftung an Leerheit
39. Anhaftung an das Nichts
40. Hochmut
41. Falsches Verstehen
42. Verstehen vortäuschen
43. Neid
44. Sich selbt aufgeben
45. Reizbarkeit
46. Zorn und Hass
47. Faulheit
48. Feigheit
49. Immer die Ansichten anderer brauchen, um sich selbst zu kreisen
50. Widrigkeiten nicht in Kauf nehmen
Meister Liu Yiming (1737 - 1821)
war der elfte Patriarch der Drachentorsekte (Longmen Pai) der Schule der Völligen Vervollkommnung (Quan Zhen). Er gilt als einer der profundesten daoistischen Schriftsteller der Neuzeit und schrieb unübertroffene Kommentare zu und über daoistische Klassiker wie: "Buch der Wandlungen" (Yi Jing), "Vom Begreifen der Wirklichkeit", "Die dreifache Einheit", "Der Klassiker über die Annäherung des Yin" (Yin-Fu-Ging), "Vierhundert Worte über die Goldene Pille", "Das Schlagen der Linien", "Die Inschrift der Hundert Zeichen", "Der Baum ohne Wurzeln" und "Die Reise nach Westen". Zudem verfaßte er auch zahlreiche Essays, Gedichte und Lieder, in denen er sich der Begrifflichkeit der daoistischen Alchemie bediente, wobei er sich jedoch bemühte, diese in das Vokabular der Psychologie zu übersetzen. In diesen Werken brachte er die Essenz des Daoismus in unvergleichlicher Klarheit zum Ausdruck.
Dem Dao folgen
Wenn Du meinst, dem "Weg zu folgen" bedeutet,
auf Drachen zu reiten und auf Kranichen zu fliegen,
dann gehe lieber zu Fuß.
Wenn Du meinst, dem "Weg zu folgen" bedeutet,
ein Elixier der Unsterblichkeit zusammenzubrauen,
dann achte einfach darauf, was Du isst.
Wenn Du meinst, dem "Weg zu folgen" bedeutet,
nur Bücher zu lesen,
dann solltest Du ohne ein Buch auf Reisen gehen.
Wenn Du meinst, "dem Weg zu folgen" bedeutet,
zu debattieren, Streitgespräche zu führen,
dann solltest Du lieber den Mund halten.
Wenn Du meinst, dem "Weg zu folgen" bedeutet,
kunstvolles Geschmeide und wallende Gewänder zu tragen,
dann solltest Du besser nackt sitzen.
Wenn Du glaubst, um "dem Weg zu folgen"
bräuchtest Du eine "Einweihung", ein Kloster oder einen Tempel,
dann solltest Du Deinen Blick weiten."
Quelle: "Deng Min Dao's Tao im täglichen Leben"
Daoismus


